Mikroabenteuer auf dem rheinhessischen Jakobsweg

Ich bin durch meinen Bänderriss im letzten Jahr und den daraus folgenden leichten Einschränkungen in den darauffolgenden Monaten viel zu wenig gelaufen. Die Folge davon sind Fernweh, Wandersehnsucht und Abenteuerlust. Meine Abwechslung – Wanderblogs lesen – haben gerade meine Abenteuerlust beflügelt… von Mikroabenteuern habe ich viel gehört…  und für jemanden bei dem das Fernweh zieht, hört sich das soooo gut an… ob ich auch mal soll….?

Die Wutz – die im Alltag gerne gegen 22 Uhr in die Heija gehen will… und damit ist mein weiches, kuscheliges Bett gemeint – weiß von all dem noch nichts… Mitspracherecht räume ich ihr in dieser Geschichte einfach keines ein 😉

Mikroabenteuer. Das Wort hat der britische Blogger und Abenteurer Alastair Humphreys geprägt, der sagt: „Abenteuer gibt’s direkt um die Ecke“ und zu einem Mikroabenteuer gehört eine Übernachtung außerhalb des heimischen Bettes… oder… überhaupt eines Bettes. Heißt das … zelten? Oweija… zelten habe ich als Kind einfach nur gehasst, wir mussten früher jedes Jahr mit meinen Eltern zelten… andererseits…

Im Oktober 2016 war es endlich soweit… meine Bänder sind wieder lauftrainiert, die Wutz und ich sind fit und wir wollen ein Mikroabenteuer. Ich jedenfalls. Die Wutz weiß immer noch von nichts 😉


Der Plan steht fest, es soll wieder der Pilgerweg werden und die Erforschung der rheinhessischen Klosterroute auf den Etappen Harxheim/Zellertal – Steinbach und Steinbach – Otterberg.

 

Kurzentschlossen wandern wir dieses Mal zu viert, zwei Menschen, zwei Hunde. Larissa hatte mir ein paar Tage vor meinem Start erzählt das sie Urlaub hat und abenteuerlustig ist 😉

Die Wutz geht voran.


Von Harxheim aus geht es erst mal durch schon abgeerntete Getreidefelder und bald abzuerntende Rübenfelder. In der letzten Woche war es noch sonnig und warm, aber jetzt hatte es geregnet, die Felder sind braun und alles ist schmutzgverwaschen.


Über die rheinhessischen Felder weht ein kalter Wind. Leider ist das auch der Grund, dass wir uns ans marschieren halten und uns nicht mit Fotos aufhalten. Entschuldigung an dieser Stelle…

Der Pilgerweg führt uns immerzu auf kleinen uns sehr feinen Pfaden entlang. Das ist für mich total reizvoll und ich fühle mich voll im Abenteuer 😀

In Göllheim angekommen suchen wir uns aber erst mal eine Pausenmöglichkeit. Gut, dass es am alten Markt eine Bäckerei und eine nette Verweilmöglichkeit gibt. 


Der Kaffee tut gut und belebt unsere wandermüden Beine wieder. So brechen wir bald auf und es geht weiter auf den kleinen verschlungenen Pfädchen. Zu meiner großen Freude treffen wir in Dreisen wieder auf die Pfrimm. Diesmal ist es aber leider zu kalt, um die Füße mal ins Wasser zu strecken…
Aber wir laufen zwischen Dreisen und Standenbühl einen so schönen verschlungenen Pfad am Bach entlang… am liebsten würde ich hier andauernd mein Mikroabenteuer verleben…

In Steinbach angekommen finden wir unseren Microabenteuerlagerplatz unterhalb der Hütte des Pfälzerwaldvereins. Wir sind froh langsam aus dem Wind rauszukommen und machen erst mal eine lange Pause und trinken einen Sekt. Den haben wir uns heute wirklich verdient.

An dieser Stelle verrate ich euch auch, dass wir nicht im Zelt schlafen, Schisser wie wir sind 😉 wir haben unsere Autos so hergerichtet, dass sich bequem eine Nacht darin verbringen lässt.

Abendessenszeit war ja schon längst. Steinbach hat eine Pizzeria, ein Bistro und eine Jugendherberge. Aber… heute ist der Tag nach dem 3. Oktober… alles hat Ruhetag. Wir müssen uns tatsächlich ins Auto schwingen und weiter herumfahren um uns was zu Essen zu organisieren.


Die Nacht ist viel viel besser als ich es mir vorgestellt hatte. Selbst die Wutz, die bis zum Schluss von nichts wusste, fand das alles – glaube ich – ein wirklich tolles Mikroabenteuer ist.


Unsere Belohnung, dass wir unser Mikroabenteuer auch durchgezogen haben, ist auf jeden Fall die verdammt schöne Aussicht auf die Pfalz im herbstlichen Sonnenaufgang…


Glücklicher Weise hat der Campingkocher noch Gas…  (Hatte ich erwähnt, dass wir in der gestrigen Nacht noch den ersten Glühwein für diesen Winter heiß gemacht hatten?) und so gab es schönen Kaffee und zur Stärkung Müsli.


Von Steinbach aus führt der Pilgerweg jetzt durch den Pfälzer Wald. Gestern hatten wir einen weiten Blick über die Felder und Weinberge. Unser Weg lag auf Wiesenpfaden. Heute laufen wir durch den Wald. Kleine Pfade gehen wir hier nicht, sondern laufen auf breiten Wanderwegen. Die Landschaft hat sich nach nur einem Tagesmarsch komplett verändert. Ich bin wahnsinnig fasziniert, wie anders alles aussieht…


Auch heute ist es kalt und windig. Letzte Woche sind wir noch in die kurzen Hosen gestiegen… wir haben uns noch nicht daran gewöhnt und so geht es wieder im ordentlichen Marschtempo voran.

Kurz vor Alsenbrück verlieren wir die Muschel und machen einen unbeabsichtigten Abstecher zum Wäschbacherhof. Es ist schön da, leider gibt’s nirgends ein Café – das könnten wir dringend brauchen 😉

Wir finden unseren Weg vor Lohnsfeld wieder. Hier soll der Pilgerweg an der Landstaße entlang gehen. An…? Eher- auf… naja wir kämpfen uns das Stück eben durch den Straßengraben…  wer auf den Pilgerweg wert legt, der wird in Lohnsfeld mit einer wirklich feinen, kleinen und sicher auch sehr alten Kirche belohnt. Die kleine protestantische Kirche ist wohl aus dem 16. Jh. Der heilige Jakobus ist ihr Schutzpatron und so ziert eine steinerne Jakobusfigur aus dem 18. Jh. den Kircheneingang. Sehenswert!!


Leider hat der schöne Teil des Pilgerweges hier ein jähes Ende und so rate ich eigentlich jedem – zumindest denen die mit Hund wandern – direkt nach Lohnsfeld den Pilgerweg zu verlassen und zum Schmitterhof und von dort auf schönen Wegen im Wald weiter zu wandern…

Denn… zwischen Lohnsfeld und Wartenberg- Rohrbach verläuft der Pilgerweg tatsächlich mitten auf der Landstraße. Und diese ist stark befahren! Erst nach einiger Zeit gibt es direkt neben der Landstraße einen (mit zerbrochenem Glas zugemüllten) Fahrradweg. Ich bin bedient und schimpfe wie ein Rohrspatz meinen Unmut heraus. Glücklicher Weise ist Larissa cooler und so schaffen wir es gut bis zur Tankstelle in Wartenberg-Rohrbach, wo wir uns erst mal mit Kaffee und Schokolade stärken.

In Wartenberg-Rohrbach müssen wir dann unerlaubter Weise mit den Hunden über den Friedhof flitzen. Es geht leider nicht anders…


Nachdem wir dieses kleine Horrorstück hinter uns gelassen haben ist es wieder schön. Ab geht’s weiter durch den Pfälzer Wald und wir fühlen uns wieder wohl!


Nach Otterberg ist es nun nicht mehr weit und wir sind viel zu schnell am Ende unserer Wanderung angekommen. Der Pilgerweg führt uns aus dem Wald heraus direkt an ein Gasthaus. Nichts könnte perfekter sein als hier zu sitzen und den Tag mit einem kühlen Bier ausklingen zu lassen. Selbst der Wettergott findet, dass wir es verdient haben, noch ein bisschen in der Sonne sitzen zu können 🙂


Fazit: Ich würde die Strecke etwas um planen und schon Lohnsfeld meiden, wenn ich noch mal diese Richtung gehe. Im Pfälzer Wald war ich nicht das letzte Mal und das nächste Mikroabenteuer ist schon in Planung!